Logo Natur- und Wanderführer Lothar Redemund

 Der Bayerische Wald und seine Pilze

Pilze bzw. Schwammerl - die heimlichen Herrscher des Waldes

  • Pilze im Bayerischen Wald

Den Pilzen verdanke ich den Beginn meiner tiefen Beziehung zur Natur. Es fing schon in der Kindheit an, bei unseren Sommerurlauben auf dem Kellershof in Gschwend (Baden-Württemberg). Eine morgendliche Pilztour mit der Oma Bauer brachte mir die erste Begegnungen mit dem geheimnisvollen Reich der Pilze. Oma Bauer mit ihren fast 70 Lenzen war flinker als ich, was mich mit meinen annähernd 12 Jahren doch wunderte.

Pilz-Infos

In unserer Umgebung wachsen sehr viele Pilzarten, die saure Böden bevorzugen. Es wurden bis jetzt 473 Pilzarten gefundenen.

Werfen Sie einen Blick auf unsere Pilz-Liste mit über 400 im Landkreis Regen nachgewiesenen Pilz-Arten (pdf).

Es ging in die Pfifferlinge. Nach eineinhalb Stunden waren die Körbe voll, ich hatte aber einige Pfifferlinge absichtlich an einem sehr steilen Hang im Moos, unter den Fichten belassen, die den Wald verdunkelten.

Am nächsten Tag suchte ich die Pilze. Ich kann mich noch so gut daran erinnern, da es mein erster alleiniger Ausflug in die Wildnis war. Die Pilze waren schnell gefunden und verstaut. Während dieser ersten selbständigen Pilzwanderung hatte ich ständig laut gepfiffen und mich umgeschaut, ob nicht etwas Unbekanntes in meine Nähe kommt.

Stille und Ehrfurcht vor der Natur

Wenn ich heute alleine in die Pilze gehe, bewege ich mich leise und so, dass ich keine Spuren hinterlasse. Kleinere Pilze z.B. Steinpilze decke ich mit Ästchen oder Zweigen zu, damit diese noch wachsen und eventuell aussporen können. Kleine Steinpilze zu ernten, empfinde ich als Kindermord.

Die Pilze kamen bei meiner Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer, zum Gäste- und Nationalpark Waldführer zu kurz. Deswegen habe ich mich in meine alte Heimat Baden-Württemberg - in den Schwarzwald - begeben und vier Seminare bei dem wunderbaren Pilexperten Walter Pätzold besucht.

Dort habe ich so viel gelernt, dass ich mir auch Pilz-Exkursionen zutraute, die ich nunmehr seit über 10 Jahren mit großer Freude anbiete.

Lustige Anekdoten von Walter Pätzold

  • Pilzmaden, die sich zu Schmeißfliegen entwickeln, bezeichnete er als Mobilproteine.
  • Pfifferlinge, die die am schwersten zu verdauende Speisepilzart sind, können nach sehr gründlicher Waschung immer wieder gegessen werden.
  • Wenn jemand zu alte Pilze isst, bei denen sich schon das Pilz-Eiweiß zersetzt hat, bekommt der unglückliche Esser für einige Zeit eine Lebensmittelvergiftung oder - wie Herr Pätzold sagt - das "Zwei-Schüssel-Syndrom".

Ein Pilz-Seminar in Laufen an der Salzach beim blitzgescheiten Dr. Christoph Hahn, der mühelos eine Schachpartie gewinnt, die er auf seiner Gitarre begleitete, eröffnete mir weitere Gehirnzellen.

Meinen Freund Jarda Tlamicha, der mir bei der Pilz-Bestimmung viele Tipps gegeben hat, möchte ich nicht unerwähnt lassen.

Erlebnis bei einer Pilzbestimmung

Nachdem ich im Herbst Schleierlinge einer Art, verschiedenen Alters in meinem Pilzkorb verstaut hatte, trug ich in meine Klatte den Standort, die Begleitflora, das Datum und das Wetter der vergangenen Tage ein. Wieder Zuhause fertigte ich eine Habitusskizze an und begab mich danach mit dem Parey-Schlüssel und Mikroskop in mein Bestimmungszimmer.

Nach zwei Tagen ging ich ziemlich geknickt zu meinem Freund Jarda. Jarda meinte nur: Schleierlige sind eine Großgattung. Davon gibt es ca. 1000 Arten. Das wusste ich eigentlich auch, aber den folgenden Satz werde ich nicht vergessen. Jarda meinte ganz trocken: "Lieber Lothar, nicht jeder Pilz der im Wald steht, steht auch in deinem Buch!" Jarda zählt übrigens zu den besten Pilzkennern im Bayerischen Wald!

Pilze schmecken gut und sind gesund

  • Wer Pilze (die richtigen) isst, lebt länger.
  • Wer viel Schwimmen geht lebt nicht länger, aber er stirbt gesünder.

Tabelle wertgebender Inhaltsstoffe in Obst, Gemüse und Speisepilzen nach (Fresenius 2007)

Vitamine

Produkt

Kalorien (mg)

B1 (mg)

B2 (µg)

B3 (µg)

B5 (µg)

B9 (µg)

D3 (µg)

Kopfsalat

17

0,06

0,01

0,50

0,11

0,02

0,00

Kohlrabi

39

0,05

0,05

0,30

0,20

0,01

0,00

Weißkohl

32

0,04

0,06

1,00

0,10

0,00

0,00

Tomate

23

0,10

0,06

0,50

0,02

0,04

0,00

Champignon

35

0,10

0,41

2,45

0,66

0,04

1,88

Austernseitling

20

0,18

0,16

2,28

1,07

0,05

2,35

Shii-take

25

0,03

0,23

3,18

0,86

0,03

2,00

Ähnlich verhält es sich auch mit den Spurenelementen wie Natrium, Kalium, Phosphor, Zink, Eisen, Kupfer und Selen.

Pilz-Tipps

  • Tipp:
    Verspeisen Sie Bitte keine im Glas konservierte Champignons, da der Nitrat-Gehalt bei der Konservierung um mehr als das Hundertfache ansteigt.
  • Wichtig:
    Pilze sollten reif sein (Aroma) und frisch zubereiten werden.
  • Merksatz:
    Die in den sogenannten Pilz-Büchern (meistens Bilderbücher) als Speisepilze bezeichnete Arten sollten über eine Zeit von 15-20 Minuten oberhalb 60° bis 70°C zubereitet werden, da es kaum Pilzarten gibt, die roh verträglich sind, im Gegenteil es sind meistens hitze-labile Gifte enthalten.
  • Naturschutz:
    Wildpilze dürfen im ortsüblichen Umfang für den eigenen Verzehr gesammelt werden. Es ist nicht verwunderlich, wenn bei den zum Verkauf angebotenen Wildpilzen keine deutschen Pilze aufliegen, es ist eben nicht erlaubt.
  • Achtung:
    Sammle nur Pilze, die du genau kennst.
  • Spruch:
    Kenne ich nicht, kann giftig sein.
  • Mord:
    Ein neutraler Schweizer wollte seine Frau mit dem Saft des grünen Knolli vergiften. Es hat funktioniert: Seine Frau ist tot und er sitzt noch.

Pilze (Schwammerl) im Bayerischen Wald: Infos Bestimmung Pilzwanderung Tipps und Pilz-Übersicht